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Kunstmessen

Kunstmessen sind heute fester Bestandteil des Kunstmarkts und als solche aus dem Kunstbetrieb nicht mehr wegzudenken. Angesichts ihrer Allgegenwärtigkeit erscheint es vielen Kunstinteressierten wohl kaum vorstellbar, dass die erste Kunstmesse (Kunstmarkt Köln, 1967 - die heutige Art Cologne) gerade erst vor 43 Jahren ihre Tore für Besucher öffnete.


Inzwischen finden jährlich über 300 Kunstmessen statt, Tendenz weiterhin steigend - die Wirtschaftskrise konnte diesen Trend nur vorübergehend und begrenzt bremsen (in 2009 wurden etwa 20 Veranstaltungen abgesagt). Die meisten Kunstmessen werden primär mit dem Ziel ins Leben gerufen, unmittelbar einen finanziellen Gewinn zu erzielen. Demgegenüber dienen prestigeträchtige Veranstaltungen den Regionen, in denen sie statt finden, zunehmend auch als Branding- und Marketing-Instrument, um ein bestimmtes Image zu fördern oder aufzubauen. Diese Möglichkeit ließ in den letzten Jahren neben Kunstmessen auch die Zahl von Biennalen und Triennialen in die Höhe schnellen (mehr dazu im Buch Art Fair Age von Paco Barragan).


Für Galerien bedeutet die Teilnahme an einer Kunstmesse zunächst eine beträchtliche finanzielle Vorab-Investition. Die Standmieten bei wichtigen Kunstmessen bewegen sich im Bereich von etwa 200 - 400 Euro/m2. Dadurch ergeben sich, je nach Fläche, allein für den Stand Kosten von 10.000 EUR bis deutlich über 20.000 EUR. Neben guten Umsätzen versprechen sich die Galerien von der Messeteilnahme Begegnungen mit neuen Sammlern und neue internationale Verbindungen. Weiterhin zeigt der Messeauftritt Messebesuchern und Medien den Status, den die Galerie in der Kunstwelt hat. Deshalb streben Galerien danach bei bedeutenden Kunstmessen teilzunehmen.


Die Kunstmesse mit dem wohl höchsten internationalen Ansehen und den erlesensten Kunstwerken ist die TEFAF in Maastricht. Auf der TEFAF (The European Fine Art Fair) finden Sammler alte Meister, Kunst der (klassischen) Moderne und Antiquitäten aller Art. Die TEFAF ist insbesondere für die strengen Zulassungskriterien und Prüfung der Kunstwerke auf Qualität, Zustand und Echtheit bekannt. Beim Kunstpublikum weniger bekannt, aber bei Kennern hoch geschätzt, ist die Art Show in New York, die von der Art Dealers Association of America (ADAA) organisiert wird. Die Art Show spannt den Bogen von der klassischen Moderne bis zur aktuellen Gegenwartskunst.


Im Bereich zeitgenössische Kunst haben die Art Basel, die Art Basel Miami Beach sowie die Frieze Art Fair in London einen ausgezeichneten Ruf. Messen wie die Armory Show in New York, die Art Forum in Berlin, die FIAC in Paris, oder die Art Cologne - um nur einige zu nennen - gehören ebenfalls zu den weltweit wichtigen Messen, stehen aber in der Bewertung durch Sammler, Galeristen und Medien hinter den Erstgenannten an.

Bei den nur wenige Jahre alten Satellitenmessen haben sich unter anderen behauptet: Die Volta Show (New York und Basel), die Zoo Art Fair in London, die Pulse Art Fair (New York und Miami) sowie die Scope Art Fair (5 Veranstaltungen, u.a. Basel und London). Auf diesen Messen sind viele junge Galerien vertreten, die Werke ihrer ebenfalls meist jungen Künstler zeigen.


Wie wird sich die Zahl der Kunstmessen weiter entwickeln?
Obwohl genaue Untersuchungen fehlen, liegt der Schluss nahe, dass durch die schnell wachsende Zahl von Kunstmessen nur begrenzt neue Käufer angesprochen und gewonnen werden. Vielmehr dürfte der Kuchen, der den auf Kunstmessen weltweit erzielbaren Umsatz darstellt, nur in eine größere Zahl kleinere Stücke aufgeteilt werden. Dies führt zu einer verringerten Profitabilität der einzelnen Messen und somit zu einem natürlichen Einpendeln ihrer Gesamtzahl. Dies gilt in erster Linie für die zahlreichen regionalen Kunstmessen und die vielen jungen Satellitenmessen die sich um die großen Veranstaltungen scharen. Hier vollzieht sich jedes Jahr ein reges Kommen, Ausprobieren von Konzepten und Gehen. Demgegenüber schlägt der Puls in der Liga der bedeutenden und richtungsweisenden Kunstmessen wesentlich gemächlicher: Über Jahre hinweg gibt es nur wenige die Kunstlandschaft prägende Veränderungen: im letzten Jahrzehnt zählten dazu die erfolgreichen Zugänge der Art Basel Miami Beach, (seit 2002 jeden Dezember in Miami Beach) sowie der Frieze Art Fair, die seit 2003 jeden Oktober in London statt findet.

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Art Basel
Die Art Basel (gegründet 1970) zieht jährlich über 60.000 Besucher an.
Fiac Paris
Die FIAC Paris findet statt im Grand Palais und im Carrée du Louvre (hier abgebildet)
Frieze Art Fair London
Die Frieze Art Fair in London hat sich schnell einen Spitzenplatz unter den Kunstmessen erobert und zeigt begehrte Kunst, hier zu sehen ist eine Skulptur von Antony Gormley.